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Ti voglio bene

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Auch wenn er in deutschsprachigen Breitengraden nicht sehr bekannt ist, gehört der italienisch-tunesische Rapper Ghali zu den spannendsten und gleichzeitig auch wichtigsten jungen Künstlern seines Landes.

Das Phänomen der Cloud-Rapper kennt keine Grenzen und schon gar keine Nationalität. Egal ob in den USA, in Deutschland oder Frankreich – die junge Soundcloud-Generation sprießt weiterhin aus sämtlichen Böden und findet schnell Anklang in den jüngeren Generationen. In Italien ist das nicht anders, die chartdomminierenden Künstler hören auf die Namen Sfera Ebbasta, Tha Supreme oder Shiva. Einer der aus dieser Masse trotzdem heraussticht ist Ghali.

Der 27-Jährige tauchte 2016 richtig groß auf der Bildfläche auf und konnte sich mit seiner Debüt-Single „Ninna nanna“ auch gleich an die Chartspitze setzen. Das Debüt-Album Album sollte folgen und mit dreifach Platin ausgezeichnet werden. Im Gegensatz zu seinen Kollegen drehen sich die Texte von Ghali aber weniger um den ständigen Marihuana-Konsum als mehr um gesellschaftspolitische Agenden: Das Leben als tunesisch-stämmiger Italiener in der Modemetropole Mailand, der Hass und die Abneigung die ihm dabei begegnet sind, ist nur ein kleiner Aspekt in der mittlerweile schon ansehnlichen Diskographie.

Cara Italia wurde zur Hymne von und für Migranten des Landes – Ti voglio bene, ich liebe dich, auch wenn mich nicht alle haben wollen, heißt es da. Sein literarisches Schaffen ist hochangesehen, der italienische Aufdecker-Journalist Roberto Saviano bezeichnete Ghali beispielsweise als Segen für die Szene.

Kurz vor Ausbruch der Corona-Krise erschien mit DNA Ghalis zweites Album. 15 Tracks, sicherlich poppiger als noch die ersten Songs, dennoch wieder mit ordentlich Aussage aber auch spürbaren italienischen Flair. Es war grausam ironisch, dass das Album mit Good Times einen perfekten Mainstream-Happy-Hit beinhaltete, dessen Titel unpassender – in ein von der Krise gebeuteltes Land – nicht sein konnte. Aber die Leute streamten und kauften den Song abermals bis zur Spitze der Charts und holten sich eine Portion Hoffnung. Ghali startete Instagram-Livesession in denen ihm seine Fans den Song vorsangen und schnitt daraus das passende Musikvideo zusammen.

Gemeinschaft ist dem Rapper im Allgemeinen extrem wichtig. Viele junge Leute blicken zu ihm auf, er ist sich seiner Vorbildfunktion auch absolut bewusst und will mit gutem Beispiel voran gehen. Mailand ist seine ganz große Liebe, er setzt sie in gern und oft in Szene. In der langsamen Abflau-Phase der Corona-Krise startete Ghali die Aktion „Un Passo alla Volta“ also „Ein Schritt nach dem anderen“, die daran erinnern soll, dass man weiterhin aufeinander Acht geben und die angeordneten Bestimmungen einhalten soll. In Österreich wird der Babyelefent als Maßeinheit angegeben, in Italien sieht das Ganze dann so aus:

Ghali ist also Liebling der Presse und der Jugend, fällt durch seinen extravaganten Stil auf (der ihm zudem regelmäßig Lobeshymnen der italienischen Modemagazine einbringt) und macht außerdem richtig gute Musik. DNA wurde durch den Zeitpunkt der Veröffentlichung irgendwie zum Soundtrack der verrückten Corona-Zeit. Man muss aber auch anmerken, dass seine einwöchige Promo-Tour durch sämtliche Großstädte bei Ausbruch der Krise inklusive fast schon unendlich-anmaßenden Personen-Schlangen schwer verkehrt wirkte – auch wenn damals noch niemand richtig wusste, was da auf Europa zukommen würde.

Wer also sein italienisch wieder auffrischen will, Fernweh spürt oder einfach ziemlich freshen Sound hören will, der sollte Ghali eine Chance geben. Macht ziemlich viel Freude!

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