Penne mit Wurstel von Pute und Parmigiano

3 Minuten Lesedauer

Mir scheint, dass die Gastronomie und die Schriftlichkeit seit jeher auf Kriegsfuß stehen. Das Spektrum an sprachlichen Problemen ist dabei weit gestreut. Es gilt drei Kategorien zu unterscheiden.
Kategorie 1 sind die übersetzten Speisekarten, die man im Urlaub bekommt. Der seiner Muttersprache durchaus mächtige Spanier, Italiener oder Grieche fragt keinen seiner deutschen oder österreichischen Gäste, ob sie ihm beim Übersetzen der Karte helfen oder selbige vielleicht kurz Korrekturlesen könnten, sondern verlässt sich eisern auf das Wörterbuch und Google Translate. Dabei kommen dann plötzlich Gerichte mit Anwälten (Avocado), mit Isolationsschläuchen (Makkaroni) oder mit Zahnstein (tartaro statt tartare) auf die Speisekarte. Kategorie 2 wird durch die einheimischen Gastronomen mit Migrationshintergrund verursacht. Dabei häufen sich dann Fehler wie „mit frische Knoblauch“, „Schnitzel aus Pute“ oder „Panna Cotta von Kokos“.
Kategorie 3 ist jedenfalls mein Liebling. Hier versucht der gewitzte Wirt durch sprachliche Feinheiten, sinnentleerte Adjektive oder kleine Metaphern die angebotene Nahrung zu optimieren. Ausgesprochen gut gefallen mir hier alle Formen von Kommunikation, die auf das Essen projiziert werden wie etwa der „Dialog vom Parmesan“. Spannend auch das Konzept eines Innsbrucker Innenstadtlokals im siebten Stock. Sämtliche Köche der letzten Jahre haben eine besondere Liebe für Artikel, Aufzählungen und Kleinschreibung in sich entdeckt. Da gibt es etwa: „der bunte blattsalat mit mariniertem gemüse & die rosa gebratenen scheiben vom heimischen rinderfilet“. (Ganz besonders freut es mich in diesem Zusammenhang, dass sich das Filet heimisch fühlt.) Warum man als Aperitif einen schnöden „prosecco mit erdbeermark“ und nicht „der prosecco & das erdbeermark“ bekommt, bleibt mir unklar.
Deutlich profaner und weit verbreitet ist der Zusatz „hausgemacht“ in Karten zu finden. Hier gilt es dann wachsam zu sein. Entweder steht bei jedem Gericht „hausgemacht“, dann kann es auch weggelassen werden oder alle Gerichte, die nicht „hausgemacht“ sind kommen direkt aus der Dose auf den Teller.  Wirklich ratlos hat mich allerdings die Speisekarte auf einem FlyNiki Flug hinterlassen. Abgesehen von einigen Getränken fand ich auch einen „hausgemachten Kaiserschmarrn“ auf der Karte. Nun stellt sich mir die Frage, ob wirklich eine Stewardesse mit Schneebesen und Eiern bewaffnet für einen hausgemachten Kaiserschmarrn sorgt. Dann müsste man ihn aber doch flugzeuggemacht nennen! Oder wurde der Kaiserschmarrn einfach nur in einem Haus gemacht? Dann würde sich der Begriff aber endgültig ad absurdum führen. Geschmacklich lohnt sich das alles jedenfalls nicht …


Boris Sebastian Schön hat noch kein Buch geschrieben, welches hier beworben werden könnte. Aber er geht mit offenen Augen und Ohren durch die Welt und ist immerhin Mitgründer des ALPENFEUILLETON. Die “Lohnt sich das”-Kolumnen sind seine ersten AFEU-Veröffentlichungen.

Illustration (c) Felix Kozubek und Stefanie Aigner.

1 Comment

  1. „Köstlich“ deine Grammatik-Menü-palette. So gut wie Karl Valentin. In einem Innnsbrucker „Säuferlokal“ hab ich einmal die Warunung gelesen: Lieber Gast, wenn Sie an Allergien leiden, bestellen Sie bitte bei uns nichts…. Das Lokal gibts leider nicht mehr. Trauer trauer… Mir fehlts

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

*

code