Weil wir ehrlich waren!

6 Minuten Lesedauer

Prolog

von Felix Kozubek, 26.08.2016
Das ALPENFEUILLETON begann, weil die UNIpress Epoche endete. Zwischen 2009 und 2011 durfte ich gemeinsam mit ein paar – bekannten – AFEU-Autoren gemeinsam, die Innsbrucker Studentenzeitschrift gestalten. Zwei spannende Jahren waren das. Jahre, in denen Bundespräsidentschaftskandidat Fischer eine gewisse Frau Rosenkranz ausstach. Jahre, in denen wir Titelbilder hatten mit Sprüchen wie „Hast du keinen Textinhalt, machst du auch vor Hass nicht halt“ oder „Bildung und andere Miseren.“ Wir durften die Studentenproteste von 2009 medial begleiten und dokumentieren. Wir durften uns beschimpfen lassen, aber auch loben. Wir haben tolle Menschen zu uns ins Team geholt, die teilweise bis heute noch schreiberisch tätig sind und mittlerweile auf dem AFEU eine eigene Kolumne publizieren. Lohnt sich das? Ja!
Als die UNIpress Epoche langsam zu Ende ging, war es unser großer Wunsch mit einem „Tusch“ zu gehen. Es liegt in der Natur einer Printzeitung, dass man – im Gegensatz zu Onlinemedien – keine genauen Leserzahlen, keine Verweildauer und keine Absprungraten kennt. Um den Leser hinter der viel besungenen Ofenbank hervorzuholen, muss man ihn schon besonders reizen. Mit guter Arbeit geht das kaum. Da muss man sich schon etwas trauen, frech sein, ein wenig provokant. Und so entstand unsere letzte Ausgabe mit dem Coverspruch „Weil wir ehrlich sind!“ Darauf zu sehen: eine gelbe Zitrone. Und die sind bekanntlich sauer. In der Ausgabe selbst ging es dann um lebenswichtige Fragen wie „Pro und Contra Erdmännchen“, „Kann die UNIpress als Karrieresprungbrett dienen“ oder eben „Warum heißt Rot eigentlich Rot?“ Eine Frage, die meine Autorenkollegin Lisa Reifer seit Jahren beschäftigt. In unserer Zitronenausgabe war endlich Platz, um diesem Trauma Platz zu geben.
Als die Ausgabe erschienen ist, wussten wir: Die UNIpress wird – entgegen unseren Befürchtungen – offensichtlich doch gelesen. In wenigen Stunden hagelte es Kritik. Das ganze sei einer Studentenzeitung unwürdig. Das sei der absolute Tiefpunkt dieser Zeitschrift. Es erinnere eher an eine Faschingszeitung, als an eine (angehende) Akademikerzeitung. Einer der lautesten, unnachgiebigsten und ehrlichsten Schreihälse, war ein – uns allen – bekannter Mann. Und er ist bis heute dieser laute, unnachgiebige und ehrliche Schreihals geblieben.
Lieber Dr. Stegmayr, diesen Text aus der Vergangenheit, dieses meine Gedicht und den Trauma-Epilog, widme ich Ihnen …
PS: 2011 schon mit dabei … Julian Zanon, Elisabeth Reifer, Martin Senfter, Boris Sebastian Schön … und viele, viele mehr.


Herzstück

von Felix Kozubek, 01.06.2011

Aber rot, aber rot,

blau ist nässer,

aber rot, aber rot,

grün ist blässer,

aber rot, aber rot, 

gelb ist heller,

aber rot, aber rot,

orange ist greller,

aber rot, aber rot,

aber rot,

rot ist auch schön.


Epilog

von Lisa Reifer, 01.06.2011
Rot. Lässt man die Farbe außer Acht, dann kann dieses Wort ziemlich schräg sein. Rot. Ich bediene mich jetzt mal Wikipedia. „Rot ist der Farbreiz, der wahrgenommen wird, wenn Licht mit einer spektralen Verteilung ins Auge fällt, dessen Wellenlängen oberhalb 600 nm dominieren. Während die meisten Säugetiere Probleme haben, die Farbe Rot wahrzunehmen, reagiert das menschliche Auge sehr empfindlich darauf. Entsprechend häufig findet diese Farbe Verwendung bei Warnsignalen. Rot erhielt in der Entwicklung der meisten Sprachen sehr früh ein eigenes Wort, gleich nach der sprachlichen Unterscheidung von „hell“ und „dunkel“. Das althochdeutsche Wort „rôt“ entwickelte sich aus dem germanischen „rauðaż“ und dem indogermanischen „ẖereúdʰ“ und bezeichnete die Farbgebung von Kupfer, Gold und anderen Metallen.“
Wuhu. Das erklärt eigentlich genau gar nichts und ändert auch nichts an der Tatsache, dass Rot ein saublödes Wort ist. Im Gegensatz zu Grün und Gelb. Rot. Dieses Wort ist einfach viel zu kurz, zu aggressiv. Rot. Was Rot?
Ich weiß, einige von euch oder besser gesagt, alle, werden sich jetzt denken: Oh mein Gott (Ich entschuldige mich an dieser Stelle bei allen Atheisten, Agnostikern, Polytheisten und Andersgläubigen), was meint sie bitte damit?
Die Antwort ist einfach. Ich weiß es selbst nicht! Vor acht Jahren (Anm. heute sind es 13 Jahre) begann mich dieses Wort zu beschäftigen. Was verbindet man mit Rot? Und warum gerade dieses Wort? Keine Ahnung… Vielleicht sind es meine roten Wangen oder auch das tiefsitzende Bedürfnis „Schneewittchen“ und „Rotkäppchen“ aufarbeiten zu müssen. Aber auch die Etymologie kann mir da nicht weiterhelfen. Eine verkappte Situation (verkappt ist auch schräg, aber nicht so schräg wie Rot).
Das Wort ist doch einfach viel zu hart. R und T. Und zwischendrin nur ein O. Und. Rot ist die Farbe der Liebe. Aber auch die Farbe des Zorns un der Aggression. Wie ambivalent gibt sich diese Farbe eigentich?
Egal. Rot ist für mich eben ein schräges Wort. Wer genauso darüber denkt: Vielleciht gibt es eine Chance auf eine subventionierte Selsbthilfegruppe. Für den Rest: Ich enschuldige mich im Sinne von Benjamin Franklin!*
* Benjamin Franklin (17.01.1706 – 17.04.1790) war unter anderem Verleger, Drucker, Naturwissenschaftler und einer der Gründerväter der Vereinigten Staaten. Von ihm stammt das berühmte Zitat „Zeit ist Geld.“ (im Original: „Remeber that time is money“)

Ein Leben zwischen Schreibmaschine und Fußballplatz. Eigentlich Betriebswirt. Hat das ALPENFEUILLETON ursprünglich ins Leben gerufen und alle vier Neustarts selbst miterlebt. Auch in Phase vier aktiv mit dabei und fleißig am Schreiben.

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