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Das Wort zum Freitagabend

1 Minute Lesedauer

Ein junger Teufel: „Wie hast du so viele Seelen in die Hölle geschickt?“

Der alte Teufel: „Mit Angst!“

Der junge Mann sagte: „Gut gemacht! Warum hatten sie Angst? Krieg? Hungersnot?“

Der alte Mann: „Nein … vor einer Krankheit!“

Der junge Mann sagte: „Sind sie nicht krank geworden? Starben sie nicht? Gab es keine Heilung?“

Der alte Mann: “ … sie wurden krank. Sie sind gestorben. Es gibt eine Heilung …“

Der junge Mann: „Ich verstehe nicht … „

Der alte Mann: „Sie dachten fälschlicherweise, daß das einzige, was sie um jeden Preis behalten müssen, das LEBEN ist! Sie haben sich nicht umarmt … Sie haben sich nicht begrüßt … Sie haben sich voneinander entfernt! Sie gaben jeden menschlichen Kontakt auf … Alles, was menschlich ist! Ihnen ging des Geld aus. Sie haben ihre Arbeit verloren. Sie glaubten alles, was sie hörten, lasen Zeitungen und glaubten blind alles, was sie lasen. Sie gaben ihre Freiheit auf. Sie sind nie von zu Hause weggegangen. Sie gingen nirgendwohin. Sie besuchten keine Verwandten oder Freunde. Die Welt hat sich in ein großes Konzentrationslager mit freiwilligen Gefangenen verwandelt. Sie haben alles akzeptiert! Nur um einen weiteren elenden Tag zu überleben … Sie haben nicht gelebt, sie sind jeden Tag gestorben.“

Aus: C. S. Lewis, Dienstanweisung für einen Unterteufel (The Screwtape Letters), 1941. Dt. beim Verlag Herder, zuletzt 2015.

Walter Klier, geb. 1955 in Innsbruck, lebt in Innsbruck und Rum. Schriftsteller und Maler.
Belletristik, Essays, Literaturkritik, Übersetzungen, Sachbücher. Mitherausgeber der Zeitschrift "Gegenwart" (1989—1997, mit Stefanie Holzer). Kommentare für die Tiroler Tageszeitung 2002–2019.
Zahlreiche Buchveröffentlichungen, u.a.: Grüne Zeiten. Roman (1998/Taschenbuch 2014), Leutnant Pepi zieht in den Krieg. Das Tagebuch des Josef Prochaska. Roman, 2008. Taschenbuch 2014). Der längste Sommer. Eine Erinnerung. 2013.
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