Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt

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Ein Tag vor der Abreise: Ich bin gestresst. Liegt es nun daran, dass ich nicht weiß, für welches Wetter ich packen soll oder liegt es vielleicht auch daran, dass ich eigentlich gar nicht so recht weiß, was mich überhaupt erwartet? Ich geb`s ja zu, ich bin ein kleiner Kontroll-Freak. Liegt etwas nicht in meiner „Entscheidungsgewalt“ kann es schon mal vorkommen, dass ich innerlich etwas brodle.

So auch vor meinem letzten Urlaub: Der grobe Plan war, 4 Nächte am Wörthersee zu verbringen (nachdem der Austrian Bowl meiner besseren Hälfte in Klagenfurt stattfand) und danach weiter ins schöne Venedig zu reisen, um dort für 2 Nächte zu bleiben. Klingt doch nach einem tollen Urlaub, findest du nicht?

Neben dem bereits erwähnten Pack-Problem (wie wird denn das Wetter in Kärnten?) stresste mich die Tatsache, dass meine Schwiegermutter in Spe das Appartement in Velden am Wörthersee gebucht hat und ich so gar nicht wusste, was mich dort erwartet. Nachdem sie aber ähnliche Ansprüche an eine feine Unterkunft hat wie ich, war ich optimistisch, wenn doch etwas unruhig.


Willkommen im „Niemandsland“


Nach etwa 4 Stunden Fahrt erreichen wir Velden am Wörthersee, den (angeblichen) Ort des Apartment-Hauses. Das Navi verrät uns aber in Velden: „Nehmen Sie nächste Kreuzung rechts und folgen Sie der Straße 15 Kilometer.“

Wir fahren also weitere 10 Minuten am südlichen Ufer entlang und bis uns das Navi eine kleine enge Straße einen Hügel hinauf schickt. Laut Buchungsplattform war das Apartment direkt am See – da schien mir die Richtung WEG vom See, doch mehr als falsch. Nichts desto trotz folgen wir brav dem Navi und erreichen nach weiteren 2 Minuten das gesuchte Haus.


Zurück in den 60igern


Mir fehlten zuerst einmal die Worte (und das nicht vor Freude). Nach ein paar Minuten des Wartens empfing uns der „Besitzer“ des Hauses, äußerst freundlich und bemüht, aber sichtlich chaotisch und scheinbar auch etwas überfordert.

Er führt uns in das etwas 50 Jahr alte Haus, das seither auch noch keine Renovierung gesehen hat, hinauf in den zweiten Stock. Das gebuchte Zwei-Schlafzimmer-Apartment entpuppt sich als 1 Bett im Wohnbereich – 1 Bett in der (schäbigen) Küche – Apartment. Ich musste gar nichts sagen, damit der Besitzer wusste, dass ich schockiert war – man konnte es mir an meinem Gesichtsausdruck ablesen. 


Die 1000 Gesichter eines Fotos


Er ließ uns alleine und wir sahen uns direkt einmal die Bilder auf der Buchungsplattform an, um sicher zu gehen, dass wir auch im richtigen Apartment gelandet sind. Es schien so, als wurden die Bilder vor viiielen viiiielen Jahren einmal (von einem guten Fotografen) gemacht. Manche Zimmer scheinen auch halbwegs renoviert zu sein, nicht aber das Appartement das wir bekommen haben. Auch die Küchenzeile auf den Bildern sieht neu und gepflegt aus, ganz anders als unseren 50 Jahre alte Küchenzeile im „Schlafzimmer“.

Wie es scheint, bekam der Besitzer ein schlechtes Gewissen und bot uns das gegenüberliegende Doppelzimmer zusätzlich an, damit niemand in der Küche schlafen muss. Leider war dieses aber erst ab der 3. Nacht verfügbar…


Es geht noch schlechter


Nach einiger Zeit hatten wir uns alle wieder beruhigt und fanden alles auch nicht mehr ganz so schlimm. Wir kamen schließlich zum Wörthersee um am See zu sein, und nicht im Zimmer. Deshalb beschlossen wir einen kurzen Abstecher zum „Hotel-eigenen-Strandabschnitt“ zu machen. Der 5 Minuten langen Schleichweg führt uns direkt zum See.

Auf der Suche nach unserem „Abschnitt“ liefen wir an vielen schönen und gemütlich hergerichteten Parzellen vorbei und waren voller Vorfreude auf unseren PRIVATEN Strand.

Wir erreichten unseren Gattern: Juhuuuu…UHHH…Ich ging die Stufen durch die Hecken hinunter und mein Gesichtsausdruck schlug zum zweiten Mal an diesem Tag von Freude auf Schock um.

Statt Gras (wie auf den Fotos), fand man hier nur totes Gras, viel Dreck und Erde. Die ZWEI zur Verfügung gestellten Sonnenliegen waren zum einen komplett zerfetzt und zum anderen komplett dreckig. Das gleiche Problem gab es mit den Plastikstühlen und den Sonnenschirmen. Die Stufen ins Wasser waren vollkommen heruntergekommen und nicht mehr begehbar. Das Holzdeck war unser einziger Lichtblick, da man sich dort niederlassen konnte, ohne dreckig zu werden. Leider aber war dieses bereits belegt.


Alles was zählt


Am Abend des zweiten Tages lieferte uns aber meine bessere Hälfte ein Football Spiel der Extraklasse und wurde nicht ohne Grund zum MVP (most valuable player) der Liga und des Championship Spiels gewählt. Dieses tolle Erlebnis umgeben von geliebten Menschen zu genießen ließ uns alle auf die etwas unerwarteten Gegebenheiten der Unterkunft vergessen.

Vollkommen gehypt von diesem unvergesslichen Abend genossen wir auch die restlichen Tage am wunderschönen Wörthersee und machten uns voller Vorfreude nach Venedig auf, wo zum Glück alles wie erwartet auf uns zu kam…

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