Du fragst mich, was Glaube ist #31

4 Minuten Lesedauer

Der Glaube ist ein tägliches Pfingsten
Eine meiner liebsten Episoden aus der Apostelgeschichte ist das Pfingstereignis: „Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort. Da kam plötzlich vom Himmel ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daher fährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie der Geist es ihnen eingab.“[1]
Als Kind stellte ich mir die Flammen über den Köpfen der Aposteln buchstäblich so vor: Ein züngelndes Feuer, das nur knapp über dem Haarschopf tanzt, ohne diesen zu verbrennen; ein wahres Wunder!
Inzwischen ist mein Denken in solchen Dingen prosaischer geworden und ich meine, was uns die Verfasser der Apostelgeschichte mit diesem Bild sagen möchten, ist: Die junge Kirche wurde damals vom Heiligen Geist erfüllt und begeisterte sich und fortan Unzählige für die Liebesbotschaft Jesu Christi und den Glauben daran. Man könnte vielleicht sogar sagen: Sie brannten für ihren Glauben, mit allen Konsequenzen.
Diese Begeisterung möchte ich heute aufnehmen und versuchen, sie für unseren Alltag lebendig zu halten. Denn unser Glaube ist ein tägliches Pfingsten, will sagen: ein tägliches Brennen.

  1. Für den Glauben brennen

Ohne Bildung geht es nicht; der Gläubige muss wissen, wovon die Rede ist, worauf Bezug genommen wird. Kurz: Er muss sich dafür interessieren, was seinen Glauben ausmacht. Das Lesen und Studieren der Bibel und anderer heiliger Texte, sowie das Studieren theoretischer Werke (auch der glaubenskritischen) sind also unverzichtbar für einen vernünftigen Glaubenszugang.

  1. Im Glauben brennen

Alle Theorie ist tot, nur die Praxis bedeutet Leben; der Glaube muss erprobt und geübt werden. Im Gebet, in der Meditation, in der Liturgie vertiefen wir das Gelernte und wenden es gewinnbringend an: Der Glaube wächst und wird stärker; der Gläubige findet innere Sicherheit und wirkt aus Überzeugung.

  1. Durch den Glauben brennen

Der Glaube gibt Kraft; einer starken Überzeugung folgen starke Taten. Wer weiß, was uns durch Jesus aufgetragen wurde, weil er es gelesen, reflektiert, verstanden und im Gespräch mit Gott vertieft hat, handelt zum Guten und ohne Unterlass. Er sieht und hilft; hört und tröstet, macht, was er kann. Allein der tätige Christ glaubt richtig.

  1. Wegen des Glaubens brennen

Ein starker Glaube erträgt alle Last; Spott, Demütigung, Abgesang usw. Der Gläubige steht fest, gibt Antwort und ist Vorbild. Seine Verteidigung ist gebildet, seine Methode besonnen, seine Zeugen das Handeln. Dem Zweifel begegnet er mit Rat, dem vorschnellen Urteil mit besseren Beweisen, der Ächtung mit schier unendlicher Geduld. Denn: Wer glaubt, glaubt für sich, auch wenn er für alle anderen lebt.
Martin Kolozs, 6. Mai 2017
(Die nächste Folge erscheint zum Monatswechsel Mai/Juni 2017)
[1] Apg 2,1-4

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