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Im Wald steht ein Häusl

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Eigentlich sollte man diesem Niederösterreichischen Spezialfall rückschrittlich-rassistischer Rhetorik keine Zeile widmen, damit er für seine ständigen verbalen Entgleisungen keine noch größere Bühne bekommt. Nachdem das Kopfschütteln über seinen „Dann wäre Wien noch Wien“-Sager auf Puls 4 dann doch so heftig ausgefallen ist, kommt man nicht umhin, diesen Schandfleck der Niederösterreichischen Landespolitik doch kurz zu erwähnen. Er soll uns aber nur Anlass sein, darüber nachzudenken, was denn alles wäre und nicht wäre, wenn es keine Migration in und nach Österreich geben würde.

Migration. Was ist das eigentlich?

Asyl, Schutzberechtigte, Ausländer, Zuwanderung, Flucht. Die Liste jener Worte, die in unserem Sprachgebrauch zu diesem Thema herumschwirren, könnte man unendlich fortführen. Was Migration bedeutet und wie wichtig sie für Wirtschaft und auch soziales Leben ist, darüber machen sich die wenigsten Menschen Gedanken. Migration ist Wanderung, nicht mehr und nicht weniger. Migration ist, wenn der Vorarlberger Student nach Wien zieht, um dort sein Wirtschaftsstudium zu absolvieren. Migration ist, wenn sich ein Burgenländer in eine Tirolerin verliebt und fortan in Innsbruck seinen Lebensmittelpunkt hat. Wenn Österreicher woanders in Österreich Fuß fassen, ist das Binnenmigration. Davon zu unterscheiden ist die Migration von einem Land in ein anderes. Diese Migration bringt (je nach Herkunft der Menschen) oftmals mehr Herausforderungen mit sich. Wobei sich auch der Burgenländer in Tirol sprachlich schwer tun könnte.

Ohne Migration nix los.

So oder so ähnlich könnte man die Situation in Österreich zusammenfassen. Ein Österreich als Königreich Waldhäusl würde wohl früher oder später aussterben. Die Österreicher bekommen seit Jahren nicht mehr genug Kinder, um Arbeitsmarkt und Sozialstaat aufrecht erhalten zu können. Wenn Waldhäusl irgendwann eine ordentliche Pension bekommt, dann wird ihm das auch dadurch garantiert, dass Migrantinnen und Migranten unser Pensionssystem absichern. Aber nicht nur die nackten Zahlen, sondern auch die Begleittöne im sozialen und kulturellen Umfeld würden sehr leise werden, wenn Österreich sich vollkommen abschotten würde. Man kann die Hirngespinste Waldhäusls milde weglächeln, weil seine Vorstellungen von einem Österreich ohne Migration vollkommen lächerlich sind. Man kann sie aber auch ernst nehmen und verurteilen, weil immer noch zu viele Menschen so denken wie er. Zu viele solcher Häusln stehen in den Österreichischen Wäldern und können ungehindert ihre gedanklichen Exkremente verteilen. So sind wir halt leider auch…

Politischer Mensch. Ausgeprägtes Bewusstsein für Umwelt, Ökologie und Gerechtigkeit. Hat Politikwissenschaften studiert. Arbeitet aktuell in der Politik. Auf Landesebene. Interessiert sich für Weltpolitik. Schreibt gerne Analysen.

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