Der Fux gibt Rätsel auf

6 Minuten Lesedauer

Man sitzt im Stromboli, trinkt Weißwein und wartet, bis es endlich losgeht. Man wartet ziemlich lange und es wird allmählich spät. Als das Konzert dann wirklich losgeht, merkt man es zuerst fast gar nicht – und ist auch gleich wieder versöhnt, weil sich gleich mit der ersten Nummer der Charakter dieses schrägen Duos offenbart: Das ist Show und Glamour, das ist richtig abgehoben, und trotzdem kein bisschen arrogant. Die Stimmung bleibt von Anfang bis Ende zwanglos und von leiser (manchmal auch lauter) Selbstironie getragen. Und, was ja für Popmusik eher eine Seltenheit darstellt, in ihrer Ästhetik bis zuletzt nicht völlig durchschaubar und immer wieder ein wenig überraschend.


Das Projekt


„Was hat es überhaupt mit dem Fux auf sich?“, möchte man zuallererst wissen, wenn FM4 zum wiederholten Male die neue Single Vanille spielt. Deutet sich da schon ein ästhetisches Programm an, wie bei Mumford & Sons? Ist das eine bedeutungsschwere Anspielung wie bei Pearl Harbor & the Explosions oder einfach ein Gag, wie bei Hootie and the Blowfish?
Der Fux, das ist jedenfalls Domenic Plainer, die stillere und distinguiertere Hälfte des Duos. In der Vergangenheit ist Plainer unter dem Namen Lupo als erfolgreicher DJ aufgetreten, es gibt also wohl einen gewissen Hang zum Animalischen. Dass er und Frontman Julian Hruza die Typen für profunde Anspielungen sind, muss man aber ein bisschen anzweifeln. Ihr musikalisches Projekt ist eher spielerisch als hintergründig, eher spektakulär als herzbewegend – banal ist es aber nicht, und wenn es doch danach klingt (nicht zu vergessen: ihre erste erfolgreiche Single hieß Speckbrot), dann nie ironiefrei. Auch das Animalische beschränkt sich im Wesentlichen auf den Bandnamen, weil alle Songs (manche mehr, manche weniger) näher besehen ausgesprochen gut durchdacht und intelligent umgesetzt sind.
Der Fux ist so oder so ein Kind seiner Zeit, das können wir jedenfalls festhalten. Anything goes, aber deswegen, das machen Julian & der Fux deutlich, muss nicht zwangsläufig alles verschwimmen, seicht und undefinierbar werden – was ja im Mainstream- ebenso wie Underground-Pop oft genug der Fall und fast genauso oft eine Verschleierungstaktik ist, könnte man etwas zynisch sagen. Skurrilität, die zur Haltung wird, weil es sonst keine gibt.


Das Konzert


Skurril ist die ganze Show von vorne bis hinten, von der Banduniform (schwarze Frottee-Morgenmäntel) über die 70er-Jahre-Requisiten bis hin zu den sehr denkwürdigen Texten. Die sind geistreich und voller Wortspiele, beizeiten sehr kryptisch, manchmal so, dass man nicht genau weiß, worüber man jetzt eigentlich schmunzelt – und irgendwie sind sie immer sehr Wienerisch und doch weltmännisch. Da geht es um Stephen King, Vanille und manchmal auch um nix Konkretes oder auch nur annähernd Durchschaubares; aber das heißt durchaus nicht, dass jeglicher Inhalt auf dem Altar der Ästhetik geopfert wird: „Dein bester Freund – dein Ego / Dein liebster Feind – du selbst / Es gibt verdammt noch mal so weniges / Was wirklich zählt“, heißt zum Beispiel der Refrain zu Altes Ego. Ja, das hat schon Potential.
Musikalisch sprechen wir erstmal von klassischem Elektro-Pop mit House-Einflüssen, in dem aber nicht nur sporadisches Pferdewiehern zu überraschen vermag. Bei Shows wird das Duo noch von einem Drummer unterstützt, der Fux entlockt seinem bemerkenswert goldenen Bass wenn schon keine komplexen, so doch effektreiche Harmonien, und – auch das muss erwähnt sein – der Sound war zumindest bei diesem Konzert ganz ausgezeichnet abgemischt.
Live können Julian & der Fux vor allem eines, nämlich Stimmung machen, die aber nicht ausufernd und hemmungslos, sondern eigentlich sehr fein ist. Das für Stromboli-Verhältnisse in der Zahl recht ansehnliche Publikum hat seinen Spaß, die Band (nach eigenem Zeugnis) auch: „So viele lächelnde Gesichter – darum geht’s doch eigentlich!“, raunzt Julian zwischen zwei Songs ins Mikro. Nun, darüber lässt sich bekanntermaßen streiten, auch und insbesondere in Hinblick auf die Kunst, und vielleicht sogar in Hinblick auf die Unterhaltung. Es ist aber unbestreitbar in Ordnung, wenn es zumindest einen Abend lang darum geht, und Julian & der Fux erlauben dem Zuhörer, in Ruhe seinen Spaß zu haben, ohne dass er sich deshalb gleich in einen geistig primitiveren Zustand begeben muss.


Das Fazit


Der Zauber dauert etwas über eine Stunde, dann spricht Julian Hruza noch seine letzte Warnung aus („Wir kommen sicher wieder!“), legt seinen schicken Morgenmantel wieder an und schleicht mitsamt Fux von der Bühne. Wenn sie ihre Drohung wahrmachen: Geht ruhig hin! Denn – und das ist für Electronica eher ungewöhnlich – Julian & der Fux funktionieren live (noch) besser als auf ihrem Album. In der Zwischenzeit kann man sich gerne ihre Videos zu Gemüte führen, die den Songs noch eine Dimension an Rätselhaftigkeit hinzufügen. Und es macht tatsächlich Spaß, sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Sogar, wenn dann gar nicht so viel dahinter ist.


Zum Reinhören


 

Quelle: youtube.com

Quelle: youtube.com

Titelbild: (c) Tiana Wirth

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