Upfucken? – Ja, ich will!

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Upfucken auf Denglish und marrying the best Frau in the wörld


Fabian Rauch ist 30. Er hält seine Präsentation auf Englisch. Sonst würde er zu oft ins „Denglish“ verfallen. Das mag er nicht. Scherzen ‚in english’, ist aber nicht ‚so easy’ wie auf ‚german’. Das gebe ich Fabian trotz hervorragender Englischkenntnisse mit.
Fabian war als self-made-Programmierer Mitbegründer der „Get a Taxi“-App. Diese App sollte die Taxisuche und Wartezeit verkürzen. Das lief ziemlich lange, ziemlich gut. Irgendwann war aber

Fabian Rauch spricht über seinen Erfolg und sein Scheitern
Fabian Rauch spricht über seinen Erfolg und sein Scheitern. (Foto (c) Emanuel Kaser)

irgendwie die Luft draußen. Es gab nicht den einen großen Fehler, aber lauter kleine „Fehlerchen“ summierten sich und der Verkauf wurde entschieden: Man nahm die Wünsche der Kunden vielleicht zu ernst (sein Tipp heute: Listen to your customers! – but do it your own way!) und als man international werden wollte, klappte das auch nicht ganz nach Schema F.
Danach verkaufte Fabian online Teppiche. Der Online-Teppich-Markt war relativ überschaubar. Das war und ist erfolgreich.
Aus dem Online-Teppich-Geschäft ist Fabian heute ausgestiegen. Er ist wieder in Tirol und arbeitet an einem „Livechat-online-debattier-social-Media-Ding“. „In Zeiten wie diesen ganz wichtig“, ist er der Überzeugung. Davon werden wir in Kürze was hören. Sonst kommt er wieder zur FuckUp Night #5.
Zwischenzeitlich war Fabian auch kurz Angestellter. Sein Chef sagte ihm zu Beginn: „Du wirst dich bei uns mega langweilen!“ Der Chef hatte recht.
Auch „Burnout“ war mal ein Thema. Nach Monaten der „Kühlschrank-Pizza-Couch-Depression“ entschied er sich seine Langzeit-Freundin zu heiraten. Jetzt musste er Einladungen verschicken, Blumen aussuchen und eine Location finden. So Hochzeit-Zeug kann wunder wirken gegen „Kühlschrank-Pizza-Couch-Depression“. Seit zwölf Jahren ist er also mit the best Frau in the wörld zusammen!


Startup-Romantik endet, wenn beim Anmachen des Klolichtes der Server down geht


Matthias Lechle und Frowin Lutz bezeichnen sich an diesem Abend als ältere Jungunternehmer. Die alten Herren erzählen uns, dass es zwei Arten des Scheiterns gibt:

  • finanzielles
  • Nicht zum vollen Potential einer Idee kommendes

Ihre Geschichte beginnt 2001 zu Zeiten von Mobiltelefonen mit Tasten und wenigen schwarz-weiß Pixeln am Bildschirm. Wo kein schwarz-weiß-Pixel-Markt da kein Wettbewerb. Ziemlich rasant entwickelte sich das Ganze. Als man mit Coca-Cola-Schweiz zusammenarbeitete, war man in der Werbebranche angekommen. Dort wollten sie eigentlich nie hin. Jedenfalls nahmen 80% der Schweizer Bevölkerung an ihrer Kampagne teil und man landete am Cover der „Tiroler Tageszeitung“. Jetzt waren Mama und Papa stolz.
In den Jahren 2007 und 2008 war man richtig heiß und sexy. Man übernahm fortan ganze Kampagnenleitungen. Für die EURO2008 arbeitete man auch.

Matthias Lechle FUN
Matthias Lechle und Frowin Lutz berichten, warum scheitern nicht gleich scheitern ist. (Foto (c) Emanuel Kaser)

Danach war irgendwie die Luft draußen. Man wollte verkaufen. Es wurden aber Mitarbeiter abgeworben und das Ganze lief nicht ganz harmonisch über die Bühne. Am Verkauf scheiterte man letzten Endes.
Das Schließen des Unternehmens dauerte dann 1,5 Jahre. Da es eine Tochterfirma in Deutschland gab, war das unendlich kompliziert: Es gibt zwei Rechtssysteme, welchen Teil kann man zuerst auflösen und und und…
Wenn Matthias und Frowin heute sagen, sie haben das Unternehmen aufgelöst, kommt sofort: „Ahhh, seid’s pleite gangen?“. „Nein – wir haben aufgelöst und sind nicht pleite!“.
In der Anschließenden Fragerunde bekam man einige Tipps mit auf den Weg:

  • Startup-Romantik endet, wenn beim Anmachen des Klolichtes der Server down geht
  • Überarbeitung checkt man nicht so schnell
  • Work-Life-Balance beachten
  • Bei 16-Stunden-Arbeitstagen macht man was falsch
  • Playstation-Sessions im Büro sind nicht Arbeitszeit
  • Fokus in die Zukunft
  • Ewiges Debattieren über z.B. vergangene Meetings ist nicht wahnsinnig sinnvoll
  • Mitarbeiter_innen sollten besser sein, als ich, in dem was sie tun
  • Unternehmensschließung lernt man nicht auf der Uni – warum?
  • Am Ende des Tages sollte ich mir in den Spiegel schauen können, wenn ich an meinen Unternehmens-Führungsstil denke
  • Die Werbebranche als lächerlich sehen
  • Leidenschaft für meine Idee
  • Authentisch sein: Dinge sind richtig, wenn sie nicht kompliziert sind

Fazit


Die FuckUp-Night hat riesiges Potential! Am Donnerstag platzte die Bäckerei aus allen Nähten. Upfucken scheint also ein Thema zu sein. Die zwei älteren Jungunternehmer berichteten auch von gesundheitlichen Problemen und dass man sich neben all dem Erfolg schon fragt „Hab’ ich die zehn Jahre gut investiert?“ Dass das Publikum noch nicht ganz in der Unternehmenswelt angekommen ist, merkte man, als kurz das Thema „Lohnnebenkosten“ von Fabian angestoßen wurde. Darauf gab es keine Reaktion. Wir haben aber mutiges Potential in Innsbruck! Dass ein 30-jähriger Unternehmer sich auf die Bühne stellt, erzählt wie er mit seiner App scheiterte, dem Burnout nahe war, dann Erfolg hatte, jetzt aber an einem neuen Projekt arbeitet (das absolut in die Hose gehen kann) und am Ende des Tages einfach nur stolz seinen Ehering zeigt, finde ich geil! Dazu braucht es Eier! Innsbruck hat diese Eier! Die FuckUp-Night #4 am 19.Mai 2016 wird das zeigen!

Titelbild: (c) Emanuel Kaser 

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