As the winter winds litter Innsbruck with lonely hearts

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Und eigentlich ist es ja so, dass den meisten Trost das Altbewährte zu bieten hat. Ein schwer melancholischer, dafür aber umso lustigerer Schotte mit Akustikgitarre und notorisch gebrochenem Herzen. Was könnte traditioneller sein?
London war Scott McMahon zu abgefuckt, also ist er nach Berlin übersiedelt. Naja. Viel Glück dem gebrochenen Herzen.
Dass Innsbruck damit aber in Luftlinie näher ist, ist für uns natürlich nur ein Vorteil. Kalt und unerbittlich ist das Leben da wie dort. Und McMahon ist ein einsamer Wolf. Als man ihm in der Heimat die Teilnahme an einer Castingshow anbot (die er wohl auch hätte gewinnen können), fand er das so lustig, dass er gleich einen Song darüber geschrieben hat, der von bitterer Ironie trieft. „I’ve got a hard luck story that would make a statue cry“, heißt es da zum Beispiel. Das ist natürlich komisch, aber es ist auch liebevoll gepflegter Weltschmerz.


Das schöne Leiden in die Länge ziehen


Wenn man aber einen ästhetischen Ausdruck für die eigenen Leiden gefunden hat, kann man sich schön darin baden und sie möglichst in die Länge ziehen.
„She’s leaving in slow motion with pieces of my broken heart / I watch in slow motion as every promise falls apart“, singt Scott mit so viel Pathos, dass es ihm auch den letzten Rest Glaswegian aus der Stimme fegt.
Nirgendwohin passt das so gut wie in Innsbrucks einzig wirklichen Pub – als solche deklarierte Ableger von der grünen Insel sind von dieser Zählung ausgenommen – das Sommer wie Winter gemütliche und heimelige Early Bird. Während Scott seinen Zorn auf die Liebe zum Ausdruck bringt, hört die heilige Jungfrau mit ihrem offenen Herzen andächtig zu. Alles ist still, auch das Hirschgeweih an der Wand gibt Ruhe. Scott McMahon passt zu uns. Er ist im tiefsten Innersten ein Konservativer – so wie wir.
Denn neben kleinen, feinen U2- und Joni Mitchell-Covers dürfen natürlich auch die obligatorischen schottischen Traditionals aus der Feder des in jedem Wortsinn romantischen Robert Burns nicht fehlen. Und das Herz ist immer noch gebrochen. Aber das darf es auch sein. Solange es Musik, Whisky und Pubs gibt. 


Dem Winter weiterhin trotzen


Wer sich jetzt nach einem Scottish Blessing für die kalte Jahreszeit sehnt, kann Scott McMahon am morgigen Samstag, 21. Jänner, noch einmal im „Shakespeare“ in der Ing.-Etzel-Straße erleben.
Im Early Bird dagegen spielen heute Abend Clone Company ihren Punkrock, der zwar aus Passau kommt, aber auch aufs Inselreich passen würde. Nächsten Donnerstag, am 26. Jänner, covert das Joni Project einen ganzen Abend lang Joni Mitchell, in deren Bett sich bekanntlich nicht nur Leonard Cohen aufgewärmt hat.
Für alle, die sich lieber beim heftigen Abtanzen aufheizen, tritt am 9. Februar die unverbesserliche Irin Wallis Bird im Weekender auf.
Tags zuvor, am 8. Februar, sind die Moulettes aus Brighton mit ihren vielen Instrumenten im Treibhaus zu hören, um Herz und Gemüt zu wärmen.
Und wen das alles nicht vor die Tür lockt, der kann sich einfach daheim eine Flasche Whisky aufmachen und dann das absolut geniale neue Album von Gurdan Thomas mit dem erhebenden Titel „It’s Not the End of the World“ auflegen. Der britische Wahlbayer macht mit Tuba und Ukulele etwas, das sich „Chaotic Folk“ nennt und treibt einem mit fröhlichem Zynismus alle Trübsal gründlich aus. Am 16. Februar ist er in der Münchener Glockenbachwerkstatt zu hören. So lange kann man dem Winterblues am ehesten entgegenwirken, indem man ihm einfach – ohne lang nachzudenken – gehorcht: „With all due respect lose yourself!“


Zum Reinhören



 Titelbild: (c) JJCcook Photography

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