Lieber Markus,

4 Minuten Lesedauer

Es ist so: Vor einigen Tagen hat mein Sohn angefangen mich zu verarschen. Um das auch deutlich zu unterstreichen, hat er mir das auch so gesagt: „Papa i tua di vaoaschn!“ Die genaue Begebenheit ist eigentlich zu verachten, was mir jedoch zu denken gibt ist, dass seine Aussage zu seiner Handlung gepasst hat. Kurz gesagt: Er hat mich tatsächlich verarscht und das bewusst. Das überfordert mich.
Vielleicht findest du das lächerlich und ich gebe zu, das klingt nach einer Banalität. Für mich stellen sich ob dieser simplen Geschichte jedoch plötzlich viele Fragen, die ich einfach nicht beantworten kann:
Wie weit reicht das Bewusstsein meines Sohnes? Diese Frage ist eigentlich die zentrale. Wenn er es schafft mich bewusst zu verarschen, versteht er es dann auch, wenn ich mir mit ihm einen Spaß erlaube? Was jedoch noch viel wichtiger ist: Versteht mein Sohn vielleicht sogar schon meinen Sarkasmus. Ok, selbst ich verstehe meinen Sarkasmus oft mal nicht aber kann mein Junge die veränderte Sprache in einer sarkastischen Äußerung vielleicht schon erkennen? Die Kombination dieser Fragen mag auf den ersten Anschein sinnlos erscheinen, als Vater wirst du aber verstehen, wie wichtig die Beantwortung dieser für mich ist. Davon hängt die Zukunft im Umgang mit meinem Kind ab. Nein, ich übertreibe nicht, denn bis jetzt bin ich davon ausgegangen, dass meine Späße nur für mich witzig sind. Nun kann es tatsächlich sein, dass ich mir auch darüber Gedanken machen muss, was mein Sohn wie versteht. Spätestens jetzt solltest du mein Dilemma erkannt haben.
Wie gehe ich nun weiter mit meinem Sohn um? Ich könnte natürlich, wie bisher, einfach sagen und tun, was mir gerade in den Kopf kommt. In Anbetracht dessen, dass ich eine biologische und moralische Verantwortung im gegenüber trage, erscheint mir das jedoch als zu gefährlich. Auf der anderen Seite könnte ich von nun auch genau überlegen was ich sage und wie ich mich ihm gegenüber verhalte. Hier wiederum habe ich Angst, dass das unsere Beziehung zueinander verfälscht, was ich auch nicht will. Eine Kombination aus beidem würde uns wohl beide überfordern.
Es kann sein, dass ich mir einfach viel zu viele Gedanken mache, diese Fragen gehen mir jedoch nicht aus dem Kopf. Wie so oft, seit ich Vater bin, reicht eine kleine Äußerung oder eine banale Begebenheit aus, mich ins Grübeln zu bringen. Vorher kannte ich das nicht. Liegt das an der neuen Verantwortung, die man als Vater trägt?
Nachdem die ganzen schlauen Ratgeber und die Onlinesuche nur Wickeltipps und Entschlüsselungshinweise für Babysprache auswerfen, hoffe ich nun auf deine Erfahrungen und deine Gedanken. Ich bin fest davon überzeugt, dass du über ähnliche Begebenheiten nachdenkst.
Natürlich wäre es manchmal angenehm, das bei einem Bier zu besprechen aber du weißt genau, dass ich seit einiger Zeit (ca. seit ich Vater geworden bin) am Abend lieber ins Bett gehe. Dir wird es wohl nicht anders ergehen.
Ich freue mich auf deine Antwort,
mit besten Grüßen,
Florian

Artikelbild: , "Kaffeekränzchen @ Weißensee", flickr.com

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