Der Preis für Nichts

5 Minuten Lesedauer
Foto (c) Roger Murmann, Lesung Apokalyptische Schreiber, flickr.com

Österreich hat nach Deutschland und der Schweiz nun endlich auch einen eigenen Literaturpreis, den Österreichischen Literaturpreis. Die Buch Wien rückt näher, die Shortlist ist veröffentlicht, der Preis kann demnächst verliehen werden. Die Auswahl wird in den Feuilletons immer noch heiß diskutiert (etwa die Ermangelung eines Köhlmeiers auf der Liste). Wie nun bekannt wurde scheint das BMUKK auf den Geschmack gekommen zu sein und installiert einen weiteren Preis im kommenden Jahr. Der Tiroler Autor und Hobbywiener Elias Schneitter kann als Insider der Szene bezeichnet werden und hat die bisher an die Öffentlichkeit gelangten Fakten zusammengefasst …

Ein neuer österreichischer Literaturpreis
Das österreichische Kulturministerium hat in einer großangelegten Medienkampagne einen weiteren neuen großen österreichischen Literaturpreis angekündigt. Die Auszeichnung sollen Autorinnen oder Autoren für den besten nicht geschriebenen Roman erhalten. Dieser Literaturpreis wird anlässlich der Buch Wien im November vergeben und ist mit einer Summe von € 50.000,–  dotiert und somit der höchstdotierte Literaturpreis, der in Österreich vom Kulturministerium verliehen wird. Berechtigt, daran teilzunehmen sind alle österreichischen Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die in Österreich geboren wurden oder hier seit mindestens fünf Jahren ihren Hauptwohnsitz haben. Die einzige Bedingung, um sich für diesen Preis zu bewerben ist, dass dieser nicht geschriebene Roman noch nicht veröffentlicht wurde. Der nicht geschriebene Roman darf ausschließlich in deutscher bzw. österreichischer Sprache verfasst werden. Übersetzungen werden nicht akzeptiert. Von den Bewerbern müssen keine bisherigen literarischen Publikation vorgewiesen werden.
Durch diese Ausschreibungsmodalitäten kann ein niederschwelliger Zugang geschaffen werden, um vor allem jungen Schriftstellerinnen und Schriftstellern Zugang zu diesem Preis zu ermöglichen. Finanziert wird dieser höchstdotierte Literaturpreis von der Bank Scholten und der Lotto- und Totogesellschaft. Der Kulturminister bedankt sich ausdrücklich bei beiden Institutionen, die gemeinsam diese Summe zur Verfügung stellen, damit das Kulturbudget des Ministeriums nicht belastet wird. Der IG-Literatur-Präsident zeigt sich ebenfalls sehr von diesem Buchpreis angetan, wie er in einer Presseaussendung schreibt: „Die österreichischen Autorinnen und Autoren sind weltweit hoch angesehen, außer in Österreich selbst, wo sie kaum beachtet werden, geschweige denn ihnen die zustehende Anerkennung weder ideell noch materiell, zuteil wird“.  Besonders erfreut zeigte sich der sich selbst ernannte  Präsident von den Ausschreibungsmodalitäten: „Mit dem besten nicht verfassten Roman eröffnet sich vor allem für noch unbekannte Autorinnen und Autoren die einmalige Chance, dass sie sich in Ruhe und ohne Druck ihrem neuen Werk widmen können.“
Auch die Grazerinnen und Grazer Autorenversammlung und der PEN-Club begrüßen den neuen Preis ausdrücklich. Der Kulturminister informierte in der Kultur am Montag Sendung des ORF auch darüber, dass bei der Auswahl der Jurymitglieder Fachleute aus allen Gesellschaftsschichten nominiert wurden. Nicht nur Literaturmenschen sollen entscheiden, sondern auch die große breite Masse soll berücksichtigt werden, damit der Demokratisierung eine ganz besonderer Stellenwert eingeräumt wird. Das ist den Initiatoren ganz ganz wichtig. Die Jurymitglieder werden in geheimer Abstimmung entscheiden, wobei den Geldgebern ein Vorschlagsrecht eingeräumt wird. Wichtig ist, dass die Objektivität und Transparenz gewährt bleibt.
Der Rechtsweg bezüglich der Vergabe ist ausgeschlossen und wer sich um den Buchpreis bewirbt, akzeptiert die Bedingungen der Ausschreibung.
In der einschlägigen österreichischen Literaturszene hat der neue Preis für Aufsehen und für Aufregung gesorgt. Grundsätzlich wird die Bezeichnung, „bester nicht verfasster Roman“ sehr zwiespältig aufgenommen. „Da kann sich ja jeder beteiligen“, meinen Skeptiker, während von anderer Seite betont wird: „Damit wird Chancengleichheit geschaffen.“
Zyniker wiederum meinen: „Bei allen Stipendien und allen österreichischen Literaturpreisen müssen Werke eingereicht werden und diese haben aber für die Vergabe nie eine Bedeutung. Literaturstipendien und Literaturpreise werden in Österreich ausschließlich an die jeweiligen Abonnenten, also an immer die gleichen vergeben. Dazu gehören unter anderem Primarärzte und vor allem alleinerziehende Dichterinnen.“
„Dem Primararzt mit Privatordination muss man zumindest zugutehalten“, schreibt die Presse in einem Kommentar, „dass in seinem Wartezimmer österreichische Literaturmagazine wie die Kolik, das Wespennest, oder Literatur und Kritik aufliegen. So fließt ein Teil der Stipendien, wieder in den Literaturbetrieb zurück.“
E. Schneitter

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

*

code