Steht dieses Duo mit Innsbrucker Wurzeln vor einem Welthit?

10 Minuten Lesedauer

Gleich der erste Track, den Melina und J-Mox zusammen produziert haben, hat das Zeug zum absoluten Welthit. Das Lied findet die richtige Balance zwischen Experimentierfreude und Eingängigkeit. Wie kam es zu diesem Lied? Wer hat es geschrieben? Wie wurde dieses produziert und wie kamen die beiden überhaupt von Innsbruck nach London? Das alles klärt sich im AFEU-Interview mit Jacob Rainer und Melina Madeleine Neff.


Die Wurzeln


AFEU: Könnt ihr mir bitte kurz skizzieren, wie eure musikalische Laufbahn bisher verlaufen ist?
J-Mox: Musik war schon immer meine größte Leidenschaft und seit meiner Kindheit war es ein Traum, später einmal davon leben zu können. In der Zeit des Zivildienstes (Anm. MS 2015-2016) hat sich die Frage gestellt, was ich danach wirklich machen möchte. Da ich seit etwa zwei Jahren intensiv beim Musik-Produzieren bin, habe ich mir gedacht, dass ich es einfach probiere. Da London das Zentrum der Musik in Europa ist und sich die Möglichkeiten ergaben dort hinzuziehen, gab es natürlich kein langes Überlegen. Jetzt bin ich hier zum Netzwerken und versuche darüber hinaus mir einen Namen als Produzent/Künstler zu machen. Momentan arbeite ich von meinem Home-Studio aus.

Die Sängerin Melina lebt derzeit in London  (Bild: Anja Riedmann)
Die Sängerin Melina lebt derzeit in London (Bild: Anja Riedmann)

Melina: Ich bin in Tübingen geboren und in Dubai aufgewachsen. Musik und Gesang begleiteten mich schon ein Leben lang. 2009 sind wir nach Innsbruck gezogen. Dort maturierte ich 2013. Anschließend ging ich dann drei Monate nach New York, ursprünglich wegen eines Praktikums in einer Graphik Design Firma, aber auch um mich auf den Gesang zu konzentrieren. Ich hatte in der gesamten Zeit, in Manhattan, regelmäßig Vocal-Coaching bei Justin Stoney, Gründer und President von New York Vocal Coaching.
Ursprünglich wollte ich Medien und Marketing Management studieren, da ich großes Interesse an Verkauf und Unternehmen habe. Ich begann die Ausbildung zur Diamantärin und starte meine eigene kleine Schmucklinie.
2014 habe ich mich aber dann doch entschieden meinem Traum als Sängerin/Künstlerin nachzugehen und begann in mehreren Bands zu spielen. 2015 entschied ich mich nach London zu ziehen, um „Popular Music Performance“ (Vocals) an der BIMM London zu studieren und einfach die Musikmetropole “auszunutzen”. Im zweiten Jahr, 2016, habe ich den Kurs gewechselt zu “Professional Musicianship” (auch Vocals). Das studiere ich zur Zeit noch und arbeite nebenbei an diversen anderen Projekten außerhalb der Universität.


Der Track


AFEU: Mich würde interessieren, wie der jetzt vorliegende Track entstanden ist. Bitte gebt mir ein wenig Einblick in die Entstehung und Produktion!
Melina: Das Lied habe ich fast genau vor einem Jahr geschrieben. Ich habe bei diesem Lied den Songwriting-Prozess ein wenig anderes begonnen. Ich hatte ein Lied hergenommen, bei dem ich die Topline nicht kannte, also nur die Instrumentals, und da dann meine eigene Lyrics und Melodie spontan hinzugefügt. Es war mitten in der Nacht (ich hatte Liebeskummer und starkes Heimweh) und die Ideen sind einfach nur so daher gekommen.
Am nächsten Tag habe ich dann die Handy-Aufnahme Jacob geschickt. Er hat die Instrumentals dazu gebastelt. Nach und nach ist einfach ein neuer cooler Track entstanden, der dann nochmal zum Vocal Editing zu einem Kollegen geschickt wurde, der die Idee mit dem markanten Pre-Chorus, wie er jetzt ist, hatte und die Vocals so bearbeitet und gestaltet hat.
J-Mox: Zwischenzeitlich haben wir die Nummer mal zur Seite gelegt und an anderen Tracks weiter gearbeitet. Schlussendlich wollten wir aber einfach mal was „raushauen“ und haben uns für „Crazy Without You“  als Titel entschieden.


Die Stadt und die Einflüsse


AFEU: Ihr lebt ja in DER europäischen Musikmetropole. Gibt es Produzenten und Musiker aus London, die euch in euer Arbeitsweise (Songwriting und Produktion) inspiriert/beeinflusst und beeindruckt haben?
Melina: Ich bin eigentlich nach London gezogen, weil ich so motiviert und inspiriert wurde durch viele Künstler, die es hier in London geschafft haben. Superstars wie Jessie J, Amy Winehouse, Adele, Rita Ora, Ed Sheeran, Sam Smith und viele andere junge Künstler. Ich habe, noch in der Zeit in Tirol, immer alles verfolgt und viel recherchiert was hinter den Kulissen abgeht. Das war die Motivation schlechthin! Und jetzt hier vor Ort: Klar! Jedes Mal wenn man mit verschiedenen Leuten von überall aus der Welt zusammenarbeitet oder spielen/singen sieht/hört ist man auf’s neue inspiriert.
J-Mox: Natürlich, es gibt sehr viele Wahnsinns-Musiker/Künstler in London, von denen man sich was abschauen kann. Meine Haupt-Inspirationen kommen, aber woanders her. Von “The Chainsmokers” (USA), “DJ Snake”(FR) und “Kygo”(Norwegen) habe ich mir auf jeden Fall so einiges abgehört/abgeschaut.
Melina: Dadurch, dass so viele internationale Musiker hier sind entstehen auch so viele verschiedene Möglichkeiten von Kollaborationen. Und somit auch neue Ideen.
AFEU: Jetzt mal abgesehen von den Möglichkeiten vor Ort (Arbeit mit Musikern, Produzenten und vieles mehr): Was ändert sich, wenn man in einer Weltstadt wie London Musik macht und nicht mehr in Innsbruck? Wie inspiriert euch die Stadt? Ist für euch Kunst auch die Möglichkeit die zahlreichen Eindrücke zu verarbeiten?
J-Mox: Puh, das ist eine schwierige Frage. Wenn ich produziere, sitze ich immer in einem Studio, ob das in Innsbruck in London oder sonst wo ist. Meine Ideen, Melodien, Akkordfolgen usw. kommen mir immer, wenn ich am Klavier sitze. So beginne ich jedes Mal ein Lied zu komponieren bzw. zu produzieren. In diesem Fall spielt, für mich, die Location nicht wirklich eine große Rolle. Aber London ist auf jeden Fall eine inspirierende, multikulturelle Stadt!
Melina: Es herrscht eine ganz andere Denkweise, man wird dadurch viel offener und einfach auch reifer. Wenn man neue Leute kennen lernen möchte, muss man einfach mal einen Abend raus und kennt dann wieder fünf neue und die sind von überall auf der Welt. Die Stadt an sich muss ich sagen, ist sehr cool, aber nichts für immer, da fehlt einfach die Lebensqualität (frische Luft, frisches Wasser etc). Und ja sicher, die vielen Eindrücke fließen ob man es will oder nicht in die Kunst ein, alles was ein umgibt und beschäftigt wird in diesem Sinne verarbeitet.


Zukunft und Erwartungen


AFEU: Wie geht es weiter? Werdet ihr weiterhin in diesem Duo zusammenarbeiten? Ist Album oder ähnliches in Aussicht?
Melina: Zusammenarbeiten sicher, aber wahrscheinlich eher als Independent Artists.

J-Mox und Melina könnten mit "Crazy Without You" einen veritablen Hit landen
J-Mox und Melina könnten mit „Crazy Without You“ einen veritablen Hit landen

J-Mox: In Bälde steht eine Folge Single auf dem Plan. Weiteres, wird kurz vor dem Sommer ein Featuring mit dem norwegischen Pop-Künstler “EIRIK” (wo Melina „Co-Writer“ war) und einem Kumpel, ebenfalls aus Tirol, namens “Mahout” veröffentlicht.
Melina: Genau, eine weitere Single ist circa im Mai geplant und bei mir später im Jahr noch eine EP.
AFEU: Wie „läuft“ die Single im Moment? Welche Resonanzen gab und gibt es? Was erwartet und erhofft ihr euch?
Melina: Sehr sehr positiv! Wir sind sehr zufrieden!
J-Mox: Für den ersten Anfang auf jeden Fall super. Im Moment macht der schwedische Produzent “Lucas Estrada”, der auf Spotify sehr erfolgreich ist, einen Remix von unserem Song.
Melina: Wir sind schon von einigen Blogs vorgestellt worden, wie auch von RedBull Music in einem Artikel letzte Woche. Auf YouTube haben wir jetzt in den ersten 2 Wochen schon über 21.000 Views.
J-Mox: Wir hoffen natürlich, dass „Crazy Without You“ in vielen Playlists auf Spotify gefeatured wird und (dadurch) bald in Radios gespielt wird.
Melina: Radios ja! Und in Werbungen im TV wäre natürlich noch mega!
J-Mox: Aber jetzt sind wir mal auf den Remix gespannt. Das wird sicher auch nochmal cool!
AFEU: Danke euch für das Gespräch – und viel Erfolg. Ich erwarte mir mindestens einen Welthit!


Zum Reinhören


 Titelbild: (c) J-Mox & Melina

Elfenbeinturmbewohner, Musiknerd, Formfetischist, Diskursliebhaber. Vermutet die Schönheit des Schreibens und Denkens im Niemandsland zwischen asketischer Formstrenge und schöngeistiger Freiheitsliebe. Hat das ALPENFEUILLETON in seiner dritten Phase mitgestaltet und die Letztverantwortung für das Kulturressort getragen.

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