"6 im Kino" – und wie es war

11 Minuten Lesedauer

Platz 6

The Danish Girl

Ein Künstlerehepaar in den 1930er Jahren entdeckt langsam, dass ER eine SIE ist. Gemeinsam durchleben die beiden diese schwierige Phase in einer Zeit, in der man dafür von Ärzten und Psychiatern weggesperrt wurde. Auf ihrem Weg finden sie jemanden, der bereit ist, die Geschlechtsumwandlung operativ durchzuführen.
Ein schwieriges Thema – ohne Zweifel. Beinahe so schwierig, dass man sich kaum wagt, den Film als Ganzes zu kritisieren. Die Biografie der zwei Hauptdarsteller ist interessant. Alles beruht auf einer wahren Geschichte. Das Gesamtwerk hat aber durchwegs Schwächen. Vieles ist so dramatisch inszeniert, dass dem Zuschauer die Emotion geradezu weggenommen wird. Wenn die Schauspieler schon leiden und weinen, muss man das ja als Betrachter nicht auch noch.
Durchwegs sehenswert, aber wohl kein Meilenstein für die LGBT-Bewegung.
Wertung: 3/5
 


Platz 5

CAROL

Carol lebt in Trennung von ihrem Mann und ist lesbisch. Wir schreiben die 1950er Jahre. Einmal hatte sie schon ein Beziehungs-ähnliches Verhältnis mit der Patin ihrer Tochter. Ihr Mann will die Scheidung unter keinen Umständen durchziehen. Weil Carol sich nun in einer neuen Beziehungs-ähnliche Situation mit einer Frau befindet, schildert ihr Mann diese Geschehnisse seinem Anwalt. Dieses „unsittliche Verhalten“ würde nach damaliger Rechtsordnung dazu führen, dass Carol im Fall der Scheidung nicht mehr ihre Tochter sehen dürfe. Spoiler über den Ausgang erspare ich euch Lesern nun.
Spannendes Thema – akzeptable Umsetzung. Weitaus interessanterer und offenerer Aufbau als bei „The danish Girl“. Was bei „The danish Girl“ aber zu viel an Emotionen vorgeführt wurde, war mir hier fast ein bisschen zu wenig. Man kann natürlich sagen, dass das ein Spiegel der Situation ist. Carol ist wohlhabend und eine „upper Class-Lady“. Die wirken ja generell etwas kalt. Aber wenn sie ihrer neuen Liebe sagt, dass sie sie liebt, habe ich ihr das nicht so ganz abgekauft.
Auch sehenswert, aber auch verständlich warum man bei den „Golden Globes“ eher übersehen wurde.
Wertung: 3.5/5
 


Platz 4

The Revenant

Leo DiCaprio als Hugh Glass wird von einem Bären im kalten Norden Amerikas stark verletzt. Als ihn seine Kammeraden zum Sterben zurücklassen, flüchten alle vor den Ureinwohnern Richtung Siedlung. Hughs Sohn will ihn nicht zurücklassen und wird daraufhin vor den Augen seines Vaters ermordet. Diesen Sohn hatte Hugh übrigens mit einer Ureinwohnerin, die auch verstarb. Getrieben davon seinen Sohn zu rächen, schafft es Hugh schwerstverletzt nach ewigen Zeiten ins Lager. Der Mörder seines Sohnes hat das Camp mittlerweile aber verlassen. Hugh reitet aus, um ihn zu jagen…
Nichts für schwache Nerven. Die Internet-Community, würde das Leid Leos wohl mit seinem ewigen Warten auf den „Oscar“ vergleichen. Zerfleischt von Bären, gejagt von Indianern, schwimmend im Eisbach und schlafend im Kadaver, kämpft er sich hier wohl zu seinem langersehnten „Oscar“. Der Inhalt ist einfach, die Inszenierung blutig und pompös – oft hörte man den Kinosaal aufschreien „Ahh!“, „Uhhh…“, „Ihhh…“. Mitgelitten haben wir in diesen Stunden genug. Was mich echt nervte, ist, dass alle Charaktere aber andauernd, bei Temperaturen leicht unter Null, ohne Problem in leicht gefrorenen Gewässern herumplantschten und -stolzierten. So als wäre Hochsommer und die Kleidung trocknet in wenigen Minuten. Es war aber eiskalt, die Bärte froren den Herren und da schwimmen die mal einfach so durch zig Gewässer. Da erfriert man, Herr Regisseur. Wehe, der gewinnt den „Regie-Oscar“ – dann steck ich ihn zur Gänze in Eiswasser und lass ihn Wochenlang durch Alaska spazieren…
Blutiges Natur-Spektakel für eine hartgesonnene Klientel. Passt gut!
Wertung: 4/5
 


Platz 3

JOY

Eine Hausfrau, wie wir sie alle kenne. Sie kümmert sich um ihre Kinder, um ihren Exmann, um ihre geschiedenen Eltern und um jeden Freund, der Probleme hat. Wenn es Probleme gibt, kommt man zu JOY. Phasenweise wohnen auch alle bei JOY. Eigentlich wollte JOY Karriere machen. Aber weil sie ja zuhause gebraucht wurde, verschob sie die Karriere auf später. JETZT ist später. Von Kindestagen an förderte ihre Großmutter ihr kreatives Erfindungspotential.
JOY ist Hausfrau. Und womit kennen sich Hausfrauen aus? Richtig! Mit Putzen.
Wie nervig ist die Putzerei mit einem herkömmlichen Mopp? Warum nicht einen Super-Mopp entwickeln, bei dem man nicht mehr den schmutzigen Teil berühren muss und den man auch ganz einfach in die Waschmaschine stecken kann?
Das macht JOY dann auch einfach. Die Werkstatt des Vaters wird umfunktioniert. Statt Autoteilen werden da nun Mopps produziert. Viele Ups and Downs bringen sie dann zur Karriere ihres Lebens.
Ein Mut-macher-Film! Allen Suderanten sei dieser Film ans Herz gelegt. Egal ob man sudert, weil momentan die Uni wieder so stresst, oder eben, weil man eine Hausfrau ist, die glaubt, sie kommt aus ihrer Situation niemals raus. Dass der Film bei den „Golden Globes“ unter „Komödie“ fiel, hat mich etwas verwundert, auch wenn er sehr viel Humor hat. Die Charaktere sind großartig und überspitzt. Von der Telenovela-süchtigen Mutter, bis zum Exmann im Keller, der noch an der Musikkarriere seines Lebens arbeitet, ist alles dabei. Es handelt sich auch gar nicht um einen plumpen „American Dream“-Film, der nur die „Ups“ zeigt. Das Leben bietet auch ganz harte und viele „Downs“. Aber als Angst vor den „Downs“, den „Ups“ abschwören ist halt blöd, oder?
Arsch hoch und los geht’s Leute!
JETZT!
Wertung: 4.5/5
 


Platz 2

STAR WARS VII

Luke, Leia, Han und Chewbacca übergeben an eine neue Generation. Die Geschichte ist zu sehr die Selbe wie in Episode IV, dem ersten STAR WARS-Film. Ein Droide hat geheime Pläne, die das neue Imperium, jetzt halt „The first Order“, will. Es gibt einen neuen Todesstern (mittlerweile der dritte in der 7-Teiligen-Serie). „The Resistance“, die Nachfolger-Partie der „Rebellen“ müssen den dritten Todesstern zerstören, um die Galaxie zu retten.
Ich sah den Film zum zweiten Mal – als größter STAR WARS Fan. Die Geschichte ist eine Wiederholung. Das ist Schade. Die neuen Charaktere Ray, Fin und Poe sind sehr gut. Die Chemie zwischen alten Hasen und Frischfleisch stimmt. Action ist geboten und der Spaß kommt nicht zu kurz. Der Film will niemanden weh tun und das tut er auch nicht. Damit schlage ich in die identische Kerbe, wie zig der internationalen Kritiker. Jeder hat daran einfach Spaß – Punkt. Episode VIII muss aber mutiger sein, liebe Disney-Menschen! Sonst gibt es Minuspunkte von mir!
Wertung: 4.5/5
 


Platz 1

Me, Earl and the dying girl

Rachel bekommt Leukämie. Greg wird von seiner alternativen, gewaltfreie-Kommunikations-Mutter dazu gezwungen, Rachel zu besuchen. Immerhin sind die Familien befreundet. Greg und sein „Co-Worker“ Earl drehen seit Kindestagen Filme. Meist Hommagen an große Klassiker wie „Clockwork Orange“, in ihrer Fassung halt „A Sockwork Orange“. Earl bezeichnet Greg übrigens schon als „Freund“, er sagt, dass Greg Probleme mit Gefühlen und Nähe hat und deswegen den Begriff „Freund“ vermeidet.
Rachel stirbt am Ende übrigens nicht – keine Sorge! Das erzählt Earl gleich zu Beginn. Rachels Freundin beauftragt Earl und Greg einen Film für Rachel zu machen. Das tun sie dann auch über mehrere Monate. „Der schlechteste Film überhaupt“, wie Greg ihn bezeichnet. „It literally killed somebody because it’s so bad“.
Arthouse-Kino in der Perfektion! Obwohl der Film bereits 2015 rauskam, macht er den Anschein mein Kinoerlebnis 2016 zu sein. Super Charaktere, einzigartige Erzählstruktur, unendlich lustig trotz schwerem Thema, aber eben nicht gewollt berührend und traurig gespielt und inszeniert. Momente des Erwachsenwerdens von Schule bis Sexualität, Cliquen-Bildung und eben auch harte Realitäten, wie Krankheit werden wundervoll gezeigt. Mir fehlen die Worte. Nicht nur ich hab’ geheult! Ich hab’ mich umgesehen im Saal! Da waren viele!! Echt!
Super G’schicht!
(Leider läuft der Film nicht mehr im Kino, aber ich hab’ mal gehört, dass es da so Seiten gibt, die das zeigen – leider kenn ich mich damit aber nicht aus – vielleicht einmal illegal sein! – Lohnt sich!)
Wertung: 5/5
 


Artikelbild (c) Leo Hidalgo, Cinema, flickr.com

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