3; Mittelstand im Höhenflug

Über Häuptlinge und die Realität.

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Oma schnauft in der Küche lautstark durch. Soeben wurden die Enkel wieder abgeholt. Die Keksdose ist leer. Der Kühlschrank auch. Fast.

Bis zum Monatsanfang sind es noch acht Tage. Zeit für Butterbrot und Salzerdäpfel.

Anstatt Trübsal zu blasen, dreht Oma das Radio auf.

Radiomoderator: „Hast du schon vom Skandalinterview gehört?“
Radiomoderatorin: „Ja klar.“
Radiomoderator: „Und? Was sagst du dazu?“
Radiomoderatorin: „Wild!“
Radiomoderator: „Ich zitiere aus einer Zeitung mit Profil. Interviewer: Sie verdienen 18.752 EUR brutto pro Monat. Wir gönnen es ihnen. Aber das ist doch nicht Mittelstand. Landeshäuptling: Bei einer breiten Definition würde ich mich schon dazu bekennen.
Radiomoderatorin: „Oberklasse.“
Radiomoderator: „Drexkerl hat ein Hörer letztens gesagt.“

Verschwörungstheoretiker waren auch mal kreativer… Von ganz oben verschiebt sich halt die Perspektive, murmelt Oma innerlich und dreht die Heizung runter. Enkel haben es gerne warm. Im Radio spielen sie „Last Christmas“.

Eine schwarze Katze springt vom Balkon und landet nicht auf ihren Pfoten. Zwei junge Menschen entscheiden keine Kinder in diese Welt setzen zu wollen.


Aus dem Zyklus „Es weat imma bleda“

Jede Geschichte steht für sich. Werden alle zusammen betrachtet, sollen sie ein Gesamtbild ergeben. Ob das funktioniert oder nicht, muss jede Leserin, jeder Leser für sich selbst entscheiden.

Ein Leben zwischen Schreibmaschine und Fußballplatz. Eigentlich Betriebswirt. Hat das ALPENFEUILLETON ursprünglich ins Leben gerufen und alle vier Neustarts selbst miterlebt. Auch in Phase vier aktiv mit dabei und fleißig am Schreiben.

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