(c) Helmuth Schönauer

Schlauchboot-Willi

7 Minuten Lesedauer

Hinweis: Dieser Artikel wurde am Tag seines Erscheinens auf der offiziellen Facebookseite des ALPENFEUILLETONS gepostet und hat neben Emotionen auch eine Diskussion darüber ausgelöst, wie weit ein Meinungsbeitrag bzw. ein Diskurs gehen darf. Prinzipiell ist festzuhalten, dass die Texte auf dieser Website ausschließlich die Meinung des jeweiligen Verfassers ausdrücken. Eine Redaktion im klassischen Sinn existiert nicht. Die Personen hinter diesem Projekt bzw. Autoren-Kollektiv haben sich jedoch gemeinschaftlich darauf verständigt, dass sämtliche Extreme, radikale oder herabwürdigende Aussagen hier keinen Platz haben – egal in welcher Form. Von Beginn weg war klar, dass es eine rote Linie gibt, die nicht verhandelbar ist und nicht überschritten werden darf. Dieser Text hat gezeigt, dass die Diskussion darüber wie weit ein Meinungsbeitrag oder ein Diskurs gehen darf, noch nicht ausreichend geführt wurde.

Wir (das Autoren-Kollektiv ALPENFEUILLETON) nehmen das zum Anlass um genau das zu tun. In den nächsten Wochen werden Beiträge zu eben diesem wichtigen Thema erscheinen: „Wie weit dürfen Meinung und Diskurs gehen?“ Welche Regeln braucht es dafür? Wer legt Grenzen fest? Welche Räume und Möglichkeiten zum Diskurs gibt es überhaupt? Was muss gesagt werden? Was ist hinderlich, was förderlich? Wir gehen damit in einen Reflexionsprozess, der hoffentlich wertvolle und interessante Gedanken und Erkenntnisse bietet. Nicht nur für unser eigenes Projekt.

Hier der Text, der (uns) zum Nachdenken anregte. Bitte – wie alle Texte – genau und kritisch lesen!

In der Politik bist du nie das, was du sagst, sondern was andere über dich sagen!

So wünscht sich der Innsbrucker Bürgermeister, dass er als Mann mit den besten Ohren in die Geschichte eingeht. Er habe nämlich eine verrückt starke Fähigkeit zum Zuhören, lässt er in jedem Interview die Sau heraus. 

Die Leute allerdings sehen das anders, sie glauben nicht daran, dass er zuhört, sonst könnte er nicht gegen die Meinung seiner Stadtbewohner Tag und Nacht Ausschau halten nach frischen Migranten, die er in die Stadt schleusen will.
Aus diesem Hobby stammt auch sein Spitzname: „Schlauchboot-Willi“. Denn wo immer ein Schlauchboot mit vage gekleideten Menschen auftaucht, ruft er: Wir sind eine reiche Stadt, die nehmen wir! 

Neulich im Westen kam es zu Senioren-Tumulten, die sogar planlose Spaziergänger zum Stehenbleiben und Diskutieren brachten. In einer überschaubaren Wohnanlage E + 2 schüttet eine Schwarze einen Kübel Wasser auf eine weiße Seniorin, die vor ihrem Balkon einen Quadratmeter Einheitsrasen jätet.
Jetzt sind Geschrei und Tumult angesagt, aus allen Balkonen halten die Bewohner zwar den Abstand ein, schreien aber, was die Aerosole hergeben. 

Aus den Rufen ist immer wieder „Scheiß-W.“ herauszuhören, der macht über unseren Köpfen alles, ohne uns zu fragen. Dreißig Jahre habe ich auf meine Wohnung gewartet, und die Schwarze kriegt sie über Nacht.
Tatsächlich scheint hier niemand zugehört zu haben, was die Leute davon halten, wenn man ihnen über Nacht eine fremde Kultur über den eigenen Balkon setzt. 

Gerade Kommunalpolitiker müssten wissen, wie sensibel Soziotope auf verordnete Änderungen reagieren. Und gerade im Bereich der älteren Bevölkerung ist es nicht damit getan, Seniorenresidenzen zu bauen, sondern man muss sie in ihren angestammten sozialen Feldern auch überleben lassen.
(An dieser Stelle ist zu bemerken, dass der Vertreter der Senioren im Gemeinderat der ehemalige Flughafendirektor ist. Er soll dafür sorgen, dass die renitenten Alten nicht aufbegehren, wenn wieder die Flugwelle mit 500 Landungen am Wochenende loslegt.) 

Wenn es im Zusammenleben tuscht, wird oft der Ruf nach Integration laut. Dabei wird vergessen, dass es zwei Teile braucht, die miteinander verschmelzen müssen. Einen Erste-Hilfe-Kurs für Asylwerber anzubieten ist zu wenig. Für eine potentielle Integration müssten auch die Einheimischen bereit sein, aber mit denen redet niemand. 

Dem Schlauchboot-Willi muss man bei dieser Gelegenheit vorwerfen, dass er noch nicht ganz kapiert hat, dass er jetzt wieder auf Kommunalebene zu agieren hat. Noch ganz der alte Nationalratsabgeordnete glaubt er, über die Aufnahme von Flüchtlingen entscheiden zu können.
Dafür regiert er in der Stadt mit einem süffisanten Historizismus. Die freihändige Vergabe von Posten erklärt er damit, dass das schon im vorigen Jahrhundert so gemacht worden ist. 

Auf kommunaler Ebene könnte der aus der Hüfte argumentierende Migrationsliebhaber ja mit der Bereitstellung entsprechenden Wohnraums beginnen. Erst wenn eine Wohnung dezidiert für diesen Zweck organisiert ist, darf die Besatzung eines Schlauchbootes in die Stadt.
Als Übergangsphase könnte man die gehasste Zeltstadt auf der griechischen Insel Lesbos zu einer Innsbrucker Partnerstadt machen. Da könnten dann die Feuerwehrleute hinunterfahren und ihren Kollegen ein altes Feuerwehrauto und ein paar neue Orden spendieren, so wie man das bislang mit Tiflis und Sarajevo macht. 

Für alles müsste freilich eine politische Mehrheit im Gemeinderat organisiert werden.
Und das ist der Schwachpunkt von Schlauchboot-Willi und den Grünen überhaupt. Diese Partei ist zwar vom Statut her die jüngste, vom Personal her die älteste.
Als Innsbrucker hast du ja das Pech, dass du auf allen Ebenen bis hinauf zum Bundespräsidenten von Grünen regiert wirst.
Und schaut man sich die einzelnen Protagonisten an, so hat keiner von denen einen programmatischen Akzent.
Das Programm eines grünen Parteifunktionärs besteht nämlich darin, alle anderen zu überleben und sich selbst zu protegieren. 

So sind die Sätze des Grünen Willi legendär: Ich gehe jetzt mal in den Nationalrat, weil ich dort Erfahrung sammeln will. Ich gehe jetzt in die Stadt, weil ich gut zuhören kann! – Ja, genau einen solchen Selbstpromotor brauchen wir!

STICHPUNKT 20|39, geschrieben am 09/11/20

Geboren 1953. Ist seit Gerichtsverfahren 1987 gerichtlich anerkannter Schriftsteller, bis 2018 als Bibliothekar an der ULB Tirol. Als Konzept-Schriftsteller hält er sich an die These: Ein guter Autor kennt jeden Leser persönlich.

Etwa 50 Bücher, u.a.:
* Tagebuch eines Bibliothekars | Sechs Bände (2016-2019)
* BIP | Buch in Pension | Drei Bände (2020-2022)
* Nie wieder Tirol | Kampf-Roman (2018)
* Antriebsloser Frachter vor Norwegen | Austrian Beat (2021)
* Outlet | Shortstorys zum Überleben (2021)

4 Comments

  1. Ich finde Ihren Kommentar aufgrund folgender Punkte hetzerisch:
    Wortwahl
    „nach frischen Migranten, […] die er nach Innsbruck schleusen will“, das wird dann sogar als „Hobby“ bezeichnet und dann noch „Schlauchboot mit vage gekleideten Menschen“, anstelle dem Begriff „Flüchtling“ ist eine Verhöhnung für Menschen mit Fluchterfahrung.
    „Über Nacht eine fremde Kultur über den Balkon setzt“ und „Migrationsliebhaber“ ist schlimmster Identitärensprech

    Einordnung
    es tut eigentlich nichts zur Sache, ob die Frau in der Erzählung schwarz war oder nicht, trotzdem wird es zum Thema und diesen rassistischen Ressentiments (Die bekommen gleich eine Wohnung, wir müssen Jahrzehnte warten) Platz und auch noch recht gegeben. Wenn sich Menschen nicht gehört fühlen, ist das bitter. Als Kommentator hat man aber diese Dinge einzuordnen und nicht Ressentiments zu verbreiten und rassistischen Gedanken recht zu geben. Es könnte ja auch sein, dass sie ständig aufgrund solcher rassistischer Texte mit den Bildern zweier ungleicher Kulturen, konfrontiert werden.

    Abschließendes Fazit:
    Kritik an Willi und den Grünen ist nur gering substantiell, aber ok ein Hasskommentar gegen Grün zwischendurch ist in Ordnung und man kann über politische Sachverhalte gern zweierlei und mehr Meinungen haben, aber so einen Text, der aus der „Sudelfeder“ höchstpersönlich kommen könnte, findet man aufgrund der oben beschriebenen Punkt normalerweise auf rechten Hetzseiten.

  2. Liebes Afeu-Team,

    unabhängig davon, wie eure redaktionelle Arbeit strukturiert ist, von wem auch immer, angeblich mit der Absicht einen „Diskurs zu führen“ so etwas veröffentlicht wird. Ihr tragt redaktionielle Verantwortung. Das bedeutet es liegt auch in euren Händen darauf zu achten, ob Hassrede und Hetze auf euren Kanälen stattfindet oder nicht.

    Vor diesem Hintergrund finde ich es sehr verwunderlich, dass ihr mit eurem journalistischem Background offenbar kein Problem damit habt Helmuth Schönauers Kommentar „Schlauchboot Willi“ auf eurer Seite stehen zu lassen, obwohl ihr zudem in den Kommentaren auch aktiv darauf aufmerksam gemacht worden seid, welch hochproblematischen Passagen der Text enthält. Hier nochmal zur klarstellung:

    1.“…sonst könnte er nicht gegen die Meinung seiner Stadtbewohner Tag und Nacht Ausschau halten nach frischen Migranten, die er in die Stadt schleusen will.“

    In dieser Passage (die der Jeanee von der Kronenzeitung wohl kaum stupider und angriffiger formulieren könnte) wird Georg Willi volkommen eindeutig als Schleuser bezeichnet.
    …Ist es euer Ziel auszutesten wieviel es braucht um eine Verleumdungsklage zu bekommen, oder warum veröffentlicht ihr so einen Schwachsinn?

    (es tut mir leid, wenn das jetzt forsch rüberkommt, aber angesichts dieses Textes ist das Niveau auf dem ich hier in den „Diskurs“ einsteige wohl mindestens adäquat, wenn nicht sogar viel zu milde)

    2.“ Denn wo immer ein Schlauchboot mit vage gekleideten Menschen auftaucht, ruft (Willi)“…“kommt zu uns“

    „Und gerade im Bereich der älteren Bevölkerung ist es nicht damit getan, Seniorenresidenzen zu bauen, sondern man muss sie in ihren angestammten sozialen Feldern auch überleben lassen.“

    Das „soziale Überleben der angestammten Bevölkerung“ wird laut eurem Autor von „vage gekleideten Menschen“ bedroht.

    Das ist blanke Hetze! Wenn ihr kein Problem damit habt Flüchtende als Lebensbedrohung darzustellen, dann habt ihr sicher kein Problem damit, wenn ich euren ersehnten Diskurs über eure Beiträge damit eröffne, dass ich sage. Ihr seid mit solchen Beiträgen eine Lebensbedrohung für jegliche Inteligenz und auf dem Niveau von Schundblättern unterwegs. (ich bin dabei immernoch davon überzeugt, somit den Diskurs, angesichts der Vorlage von eurem Autor auf einem mindestens adäquaten Niveau zu führen)

    Und das waren jetzt nur die Passagen in denen ihr euch nicht drauf rausreden könnt, dass euer Autor in irgendeiner Form eine Meinungsäusserung von irgendwem anderen aufgegriffen hätte. Es geht aus den jeweiligen Textpassagen klar hervor, dass dort euer Autor seine Meinung kundtut. Die angebliche Meinung der „angestammten“ Bevölkerung tut er ja dann mit „Scheiss-W“ und ähnlichem kund.

    …z.b. auch mit dem angeblichen Zitat: „Dreißig Jahre habe ich auf meine Wohnung gewartet, und die Schwarze kriegt sie über Nacht.“

    …von mir aus kursieren solche Meinungen bei ein menschenfachtenden Minderheit von autoritären Charakteren. Dass heisst aber noch lange nicht, dass man als Verantwortlicher für eine journalistische Plattform diese Meinungsgülle mit dem Feigenblatt eines „offenen Diskurses“ rausblasen muss.

    Welcher Diskurs soll das sein? Und auf welchem Niveau soll der Diskurs geführt werden?

    ich kann nur den Kommentatoren auf Facebook zitieren: „Geht in euch, lieber Afeu“

    …und überlegt wo genau die roten Linien eurer Redaktion sind. Bei Verleumdung Hassrede und Hetze? oder erst bei Antisemitismus und antidemokratischer Haltung und offenem Faschismus? Über was soll man denn alles so einen offenen Diskurs führen?

    Die für die Kanäle verantwortlichen sollten jedenfalls meiner Ansicht nach ihrer Verantwortung gerecht werden den Beitrag „Schlauchboot Willi“ nicht weiterverbreiten und sich für die Veröffentlichung entschuldigen!

    P.S. Willis Haltungen in der Migrationsfrage lassen sich auch ohne Verleumdung jnd Hetze kritisch beleuchten.

    liebe Grüße
    Daniel Hofstätter

  3. Liebes Afeu-Team,

    gut, dass ihr da zumindest reagiert und so einen Beitrag nicht unkommentiert veröffentlicht bzw. von eurer Facebookpage gelöscht habt.

    Ich sehe es ein bisschen kritisch, wenn ihr in dem Zusammenhang die Frage, wie weit ein Diskurs gehen „darf“ in den Mittelpunkt stellen. Der Rechtsrahmen ist klar. Man darf legal darüber diskutieren ob die Innsbrucker einen Schleuser als Bürgermeister gewählt haben ebenso wie man darüber diskutieren darf ob die Nazis eine Basis auf der erdabgewandten Seite des Mondes betreiben. Die Frage ist ob man das will.

    Will man eine Diskurs-Plattform sein auf der ohne jegliche Argumentationslinie rassistische Ressentiments und haltlose Verleumdungen diskutiert werden und die tiroler Medienlandschaft damit ergänzen, dass fragwürdigen, menschenverachtenden Ideologien Raum gegeben wird? Oder will man doch so etwas wie Qualitätssicherung betreiben und einen zivilisierten Diskurs führen?

    …es ist eure Entscheidung.

    Was ich etwas verwirrend finde, ist dass ihr oben schreibt, dass weder rassistische noch herabwürdige Kommentare
    Ich sehe in diesem Artikel nichts, was nach einem zivilisierten und sachlichen Diskursangebot aussieht. Mich seid ihr nach diesem Kommentar hier los, aber ich bin mir sicher, irgendein Identitärer oder Nazi diskutiert gerne mit euch auf dieser Basis.

    Was mich etwas verwirrt, ist dass ihr oben schreibt dass ihr weder „extreme“ noch „rassistische“ oder „HERABWÜRDIGENDE“ Aussagen zu lasst. Und darunter findet sich ein Text in dem:

    – Flüchtende als „vage gekleidete Menschen“ auf Schlauchboten verhöhnt werden

    – Georg Willi wird mit „Scheiss W.“ „Schlauchboot Willi“ und Schleuser bezeichnet.

    Uvm.
    Das müsst ihr mir erklären, wie das miteinander vereinbar ist.

    P.S. ich habe diesem Text auch einem, sicher dem bürgerlichen Spektrum zuzuordnenden, Freund gezeigt. Er hat mich gefragt, ob das vom tiroler Ableger der AfD kommt.

    Eure Kommunikation was man denn im Diskurs „darf“, schlägt genau in die Kerbe aus der rechte Wutbürger, die unter der „linken Meinungsdiktatur“ leiden im wesentlichen ihre Selbstlegitimation argumentieren.

    Wenn ihr so anfangt, dann dürft ihr halt nicht wundern, wenn ihr bald ein Forum für rechte Idelogien, Verschwörungstheorien und demokratiefeindliche Haltungen seid.

    Und natürlich dürft ihr das. Das verbietet niemand.

  4. Noch ein wichtiger Nachtrag zu meinem Kommentar zu den Kommentaren (Da sieht man, was passiert, wenn man schnell aus dem Bauch heraus schreibt, dann geht oft Wichtiges unter):
    … lest weiter so genau…, lest eventuell auch gar nicht, was euch nicht gefällt (obwohl das dann eben die vielbeklagten geistigen Blasen erzeugt), ABER VERÖFFENTLICHTE TEXTE LÖSCHEN TUT NUR DER AUTOR/DIE AUTORIN SELBST. Und die Verwendung von Rollensprech in Texten, der schlüpfrige Grat zwischen harter Polemik und Geschmacklosigkeit in der Satire, der ist eben immer ein gefährlicher, auf dem man schon mal ins Rutschen kommen kann (Bsp. Jan Böhmermann) . Aber soll man ihn deshalb gar nicht erst beschreiten? Nochmals Gruß an alle, Lina

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