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Kultur des Vergessens!

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Wenn wir zukünftig nur mehr über Wikipedia und andere Online-Quellen Informationen abrufen können, die uns an dunkle Stunden unserer Vergangenheit erinnern, haben wir ein großes Problem. Es ist durchaus nachvollziehbar, dass viele Menschen dem Verlangen erliegen, Statuen, Denkmäler und Straßennamen entfernen zu wollen, die für Werte und Normen stehen, die menschenfeindlich, rassistisch und längst überholt sind. Wenn wir Denkmäler entfernen, Statuen fällen und umstrittene Straßennamen verschwinden lassen, befeuern wir das, was wir eigentlich verhindern wollen, das Vergessen.

Denkmal ist nicht gleich Denkmal!

Unrecht ist nicht gleich Unrecht und es gibt durchaus Menschen, die es nicht verdient haben, dass ein Platz nach ihnen benannt ist, den eine überlebensgroße Statue ziert. Denkmäler sind vielfach als Zeichen der Ehrung entstanden. Wie wir Denkmäler heute interpretieren liegt jedoch in unseren Händen. Denkmäler sind in erster Linie Zeugen einer vergangenen Zeit. In vielen Fällen sind es Zeugen einer Zeit, die wir nicht mehr erleben wollen. Unser primäres Anliegen muss es allerdings sein, dass so viele Menschen wie möglich ein Gespür für diese Zeit aufbauen. Wie sollen junge Menschen ein Gefühl dafür entwickeln, was Unrecht ist, wenn wir sie nur mit Positivbeispielen erziehen? Wie sollen junge Menschen kritisches Denken lernen, wenn sie die dunkle Seite der Macht nicht oder nur kaum zu sehen bekommen?

Geschichte wiederholt sich! Oder nicht?

Es ist eine abgedroschene Plattitüde, dass sich Geschichte immer wiederholt. Geschichte wiederholt sich nur dann, wenn wir kollektiv versagen. Wenn wir es nicht schaffen, unseren nachfolgenden Generationen jenes Rüstzeug mitzugeben, das sie brauchen, um das Wohl der Gesellschaft in den Vordergrund zu stellen. Eine Gemeinschaft ohne Kontroversen, ohne Diskussionskultur, ohne Gegensätze, wird abstumpfen. Um Rassismus zu erkennen, muss man wissen was Rassismus ist. Man muss wissen wie sich Rassismus ausdrückt, wie er in der Vergangenheit gelebt wurde, wie er Menschen beeinflusst hat. Wenn wir Rassismus einfach nur als „schlecht“ klassifizieren und gleichzeitig aus der gesellschaftlichen Diskussion verbannen, fehlt den Menschen das Gefühl dafür, Rassismus zu bekämpfen. Wenn wir Szenen aus alten Filmen schneiden, weil sie Rassismus zeigen, weil sie Rassismus verharmlosen, dann wird irgendwann nicht mehr über Rassismus gesprochen, er wird nicht mehr erkannt und wir machen ihm damit eine große Tür auf, um wieder salonfähig zu werden.

Denk mal!

Der Impuls ist nachvollziehbar, alles entfernen zu wollen, was an dunkle Stunden erinnert. So schmerzhaft das Erinnern ist, so wichtig ist es, um zukünftig zu verhindern, dass Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Religion, Hautfarbe, Sexualität, ökonomischer Voraussetzungen, ihres Alters, ihrer Weltanschauung oder ihrer körperlichen Fähigkeiten diskriminiert werden. Das ist es, was wir gemeinsam verhindern müssen. Lassen wir die Denkmäler stehen, lassen wir ein Nachdenken zu und ordnen wir die Denkmäler richtig ein, damit die jungen Menschen wissen, wogegen sie ankämpfen müssen. Der Name Denkmal gibt es vor. Denk mal drüber nach!

Politischer Mensch. Ausgeprägtes Bewusstsein für Umwelt, Ökologie und Gerechtigkeit. Hat Politikwissenschaften studiert. Arbeitet aktuell in der Politik. Auf Landesebene. Interessiert sich für Weltpolitik. Schreibt gerne Analysen.

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